Jetzt komme ich endlich einmal dazu, einen kurzen “Reisebericht” zu meiner Teilnahme am PowerShell Summit 2013 zusammenzustellen, der vom 22. bis 24. April dieses Jahres in den USA stattfand. Und zwar nicht irgendwo in den USA, sondern direkt auf dem Microsoft Campus in Redmond (ganz in der Nähe der US-Metropole Seattle im Nordwesten der USA) in den Gebäuden 40 und 41, wo unter anderem auch das Visual Studio-Team zu Hause ist (eigentlich wäre es zwar logischer gewesen jenes Gebäude zu wählen, in dem das PowerShell-Team beheimatet ist, die Nummer ist mir allerdings nicht bekannt, aber aus irgendeinem Grund schien das nicht möglich gewesen zu sein).
Organisiert wurde die Konferenz auch nicht von Microsoft, sondern von PowerShell-Guru Don Jones und seinen Mitstreitern, die zusammen auch das Community Portal powershell.org betreiben, neuerdings die Scripting Games 2013 durchführen und auch ansonsten in der PowerShell-Community recht umtriebig sind. Die Räumlichkeiten bei Microsoft wurden angemietet, was insofern sehr angenehm war, da das Catering vom Microsoft-Catering übernommen wurde und dadurch sehr gut (sprich für europäische/deutsche Essgewohnheiten bekömmlich) war. Die Anzahl der Teilnehmer war auf ca. 100 begrenzt (ich hatte mich bereits kurz nach der offiziellen Ankündigung angemeldet, allerdings offenbar bereits zu spät, um in den Genuss des üblichen “Frühbucherrabatts” zu kommen;). Eine Liste aller Teilnehmer gibt es hier:
http://powershellsummit.eventbrite.com/
Die Konferenz begann am Montagmorgen pünktlich um 9 Uhr mit einer kurzen Einführung durch Don Jones. Dann ging es in zwei Tracks weiter. Ein Track mit Developer-Themen, der zweite Track mit eher “bodenständigen” Themen. Ich saß zunächst (natürlich) im Developer-Track bis es mir am Nachmittag dort auch etwas zu speziell wurde und ich in den Anwender-Track (in Gebäude 41) wechselte.
Meine Vorträge am 1. Tag waren der Reihe nach:
>Abstract Syntax Trees (Adam Driscoll, früher Quest, jetzt Dell)
>Meta Programming PowerShell (Ian Davis, ein noch sehr junger und sehr guter Entwickler, u.a. bekannt durch die NInject-Bibliothek, mit Mac-Laptop, der nach eigener Aussage erst vor etwa 3 Monaten PowerShell gelernt hat).
>Binary Modules (Karl Prosser, bekannt durch seinen PowerShell Analyzer)
Mittagspause
>The Powers of PowerShell Pipeworks (James Brundage, der früher ein Mitglied des PowerShell-Teams bei Microsoft war – ich hatte James bereits auf dem PowerShell Deep Dive 2011 in Frankfurt getroffen und wusste daher, was mich erwartet;)
>Automated Builds with PowerShell (noch einmal Ian Davis)
Die Vorträge zum Thema Unit Testing und PowerShell Reverse Engineering mit .NET erschienen mir dann etwas zu speziell und ich wechselte in den Praxis-Track, in dem es gerade um das eher “bodenständige” Thema WMI-Events ging (Richard Siddaway). Danach gab es einen sehr guten Vortrag von Aleksandar Nikolic zum Thema Remoting-Session-Konfiguration.
Meine Vorträge am 2. Tag waren:
>Workflow Walkthrough (von Don Jones himself, elementar, aber sehr gut und verständlich)
>WinRM Drilldown (Narayana Mahankali und Irina Salvan, zwei Mitglieder des WinRM-Teams bei Microsoft, fachlich sehr speziell, aber grundlegend wichtig – zwischendrin ging der Beamer kaputt, was auch bei Microsoft passiert, so dass der Vortrag am Ende einfach aufhörte)
>GUI Toolmaking with PowerShell (David Coralles von Sapien. Ein Firmenvortrag. Es ging natürlich um die aktuelle Version von PowerShell Studio. Offenbar gibt es noch einige PowerShell-User, die das Tool nicht kennen). In der Mittagspause wurde die Vorführung noch einmal in dem anderen Raum wiederholt. Sapien war der einzige Hersteller, der so prominent vorgestellt wurde (allzu viele Alternativen gäbe es allerdings auch nicht in diesem Bereich)
>Doing Configuration Management using PowerShell (Bruce Payette, der Erfinder der PowerShell-Sprache und einer der Köpfe hinter der PowerShell. Auf alle Fälle eines der Highlights der Konferenz. Es gibt um deklaratives Konfigurationsmanagement. Für mich die Zukunft, da man es nicht jedem Admin zumuten kann eine Skript-/Programmiersprache zu erlernen, um Konfigurationsänderungen durchzuführen).
>Remoting Configuration Deep Dive (noch einmal Mr. Don Jones mit weiteren Details zum Thema PowerShell-Remoting. Eigentlich hätte der Vortrag von Aleksandar Nikolic vom Vortrag genügt).
>Management OData Schema Designer (Wojtek Kozaczynski, ein weiterer Microsoft-Mitarbeiter. Ob er zum PowerShell-Team oder zum “OData-Team” gehört kann ich leider nicht sagen, da er sich nur sehr kurz vorgestellt hatte und nach dem Vortrag gleich verschwunden war – wenn man bei Microsoft auf dem Campus arbeitet, kennt man die “Fluchtwege”;). Ein interessantes Thema, aber sehr speziell.
>How to Delegate Administration and Customize PowerShell Session Configuration (noch einmal Aleksandar Nikolic. Wichtiges Thema, wieder ein sehr guter Vortrag, der aus der Praxis kam).
Das war es dann mit dem zweiten Tag. Danach stand ein Besuch im Microsoft Company Store auf dem Programm. Ed Wilson hatte für alle Teilnehmer “Gutscheine” im Wert von 150 US$ organisiert. Bis zu diesem Betrag darf man im “Lagerverkauf” einkaufen. Ein Microsoft Office 2013 kostet dort z.B. nur 60 US$. Eine Microsoft Bluetooth-Tastatur nur 40 US$. Darüber hinaus gibt es jede Menge T-Shirts, Taschen, Kaffeetassen, Stifte und andere Gegenstände mit Microsoft-Logo. Den Laden darf jeder betreten, um in den Bereich zu kommen, in dem es die Microsoft Hard- und Software gibt, braucht man allerdings einen “Blue Badge” (einen Microsoft-Mitarbeiter) als Begleitung. Da wir zwei Gruppen waren und ich in der zweiten Gruppe war mussten wir eine Weile vor dem Gebäude warten bis Ed wieder herauskam. Microsoft ist auch Sponsor der Fussball Mannschaft von Seattle, den Seattle Sounders (mit dem Deutschen Trainer Sigi Schmidt). Ich war verblüfft wie hoch die Preise für Fanzubehör in den USA sind. Ein froschgrünes Adidas-Shirt mit Xbox 360-Logo kostet selbst nach Rabatt noch 120 US$.
Die vollständige Agenda des Summit gibt es hier:
http://powershell.org/wp/wp-content/uploads/2013/04/PowerShell-Summit-2013-Conference-Agenda-At-a-glance.pdf?bb7cbb
Update: Die wichtigste Kleinigkeit hatte ich beim ersten Posten natürlich vergessen, der Link auf die Seite, auf denen die einzelnen Vorträge zur Verfügung stehen:
http://powershell.org/wp/2013/04/22/summit-downloads/
Ein Abendprogramm gab es an den beiden Abenden leider nicht. Allerdings hatte “Scripting Wife” Theresa für den zweiten Abend in einem Restaurant im Redmond Town Center (etwa 5 Minuten mit dem Auto, wenn kein Feierabend-Verkehr herrscht, ansonsten 20 Minuten) ein paar Tische reserviert, so dass es dort mit ca. 20 Teilnehmern des Summit noch einmal richtig nett wurde.
Am dritten Tag, an dem ich aber nur noch morgens dabei war, da mein Rückflug am selben Tag ging (allerdings “erst” um 13 Uhr), gab es bis Mittags noch verschiedene Vorträge (June Blender, vielen bekannt als diejenige, die bislang für die PowerShell-Hilfe zuständig war, war leider nicht anwesend, da sie ein paar Wochen zuvor in das Windows Identity-Team gewechselt war).
Am Nachmittag fand ein Workshop statt, zu dem eine gesonderte Einladung erforderlich war. Die ANzahl der Plätze war entsprechend limitiert. In diesem Workshop sollte eine Anforderung aus der Praxis mit PowerShell, Workflows und anderen Tools wie den dem OData Schema Designer umgesetzt werden. Das Resultat sollte ein “gehosteter Service” sein (klingt jetzt etwas abstrakt, aber vielleicht finde ich irgendwo die genaue Beschreibung bzw. ein Teilnehmer hat etwas darüber gepostet).
Positiv war:
>Einige sehr interessante Vorträge auf hohem Niveau. Vor allem die Vorträge von Aleksandar Nikolic und natürlich der Ausblick von Bruce Payette auf deklaratives Konfigurationsmanagement.
>Verschiedene Leute einmal “live” kennen zulernen, wie Ed Wilson, “Scripting Wife Theresa”, Adam Driscoll usw. bzw. wiederzusehen (Aleksandar Nikolic, der das PowerShell Magazine macht, Jeffrey Snover und Bruce Payette, auch wenn es oft nur um ein “Hallo” sagen ging).
>Die wie immer interessante Atmosphäre auf dem Microsoft-Campus.
>Das über die drei Tage tolle Wetter (es war allerdings auch dort etwas kühl)
>Mein Hotel, das zu Fuß (!) nur ca. 5 Minuten vom Veranstaltungsort entfernt war.
Nicht ganz so positiv:
>Einige der “PowerShell-VIPs” geben sich schon etwas unnahbar. Natürlich kann man im “Amiland” immer jeden ansprechen und in ein Gespräch verwickeln, aber ansonsten hatte ich eher das Gefühl, dass die “PowerShell VIPs” ganz gerne unter sich blieben. Das war bei unserer PowerShell-Konferenz in Oberhausen zum Glück nicht der Fall.
>Es gab leider weder eine Abendveranstaltung, noch am Ende des Tages ein Q&A, bei dem man an allen Sprechern hätte Fragen stellen können.
>Auch wenn die Veranstaltung auf dem Microsoft Campus stattfand, waren die Mitglieder des PowerShell-Teams nur spärlich vertreten bzw. kamen lediglich zu ihren Vorträgen und waren danach wieder weg. Wer wer war musste man schon selber herausfinden. Ein Q&A mit Bruce Payette oder Jeffrey Snover wäre schon sehr interessant gewesen.
>Insgesamt kam der Community Charakter was kurz (wobei man auch anmerken muss, dass Powershell.org keinen Alleinvertretungsanspruch für die gesamte, weltweite PowerShell-Community hat)
>Die künftige Richtung der PowerShell war leider auch kein Thema. Ich hätte mir zu mindestens ein paar Ausblicke gewünscht (eine Richtung, die Bruce Payette in seinem Vortrag angedeutet hatte war, dass “Metasprachen”, also beschreibende Sprachen für bestimmte Anwendungsdomänen in Zukunft eine etwas größere Rolle spielen werden – er ging ausführlich auf Puppet und Chef ein, die beide in der Unix-Welt eine größere Rolle spielen. Hier wird eine Konfigurationsänderung deklarativ und nicht “imperativ” durch eine Folge von Befehlen umgesetzt – ich denke, dass dieser Ansatz Potential hat). Ich habe heute eher per Zufall erfahren, dass das kommende “Windows 8.1″ eine “PowerShell 4″ mit einer Reihe neuer Cmdlets enthalten wird. Davon war auf dem Summit überhaupt keine Rede.
Nächstes Jahr soll der PowerShell Summit deutlich größer werden und in Downtown Bellevue im Medenbauer Conference Center stattfinden (ich war dort einmal als der Internet Explorer 4 vorgestellt wurde – das Polo-Shirt habe ich heute noch;).
Ich habe mich in meinem Bericht nur auf ein paar Infos beschränkt, auch wenn er dafür bereits recht umfangreich geworden ist. Wenn jemand weitere Fragen zu einzelnen Vorträgen hat, helfe ich gerne weiter.
Hier sind noch ein paar Bilder in wechselnder Qualität, die ich eher als “Stimmungsbilder” zur Verfügung stelle.
Seattle ist eigentlich nicht so weit entfernt
Landeanflug auf den Seattle Tacoma Airport
Das Gebäude 40 (oder war es ein 41?)
Der Empfangsbereich in Gebäude 40 (oder war es 41?)
Aleksandar Nikolic bei einem seiner Vorträge
PowerShell Scripting Guy Ed Wilson and me
Aleksandar Nikolic und Bruce Payette
Das Catering war wirklich gut
Aleksandar Nikolic und Jeff Wouters
Abends bei Brazzo im Redmond Towncenter
Die I520 bietet neuerdings eine Mautstation
Die Space Needle - das Wahrzeichen von Seattle